Komplexität gestalten! Fragen und Antworten zu meinem neuen Buch

Heiko Kleve (2016): Komplexität gestalten. Soziale Arbeit und Case-Management mit unsicheren Systemen. Heidelberg: Carl-Auer.

Ab März im Buchhandel!

Oder über: http://www.carl-auer.de/programm/artikel/titel/komplexitaet-gestalten

Warum habe ich das Buch geschrieben?

Ich arbeite seit Ende der 1990er Jahre an der Entwicklung einer systemischen und postmodernen Theorie und Methodik der Sozialen Arbeit (siehe dazu hier: http://www.fh-potsdam.de/projekt/project-action/show/Project/postmoderne-theorie-und-methodik-sozialer-arbeit). In diesem Kontext sind bei Carl-Auer bereits zwei Bücher von mir erschienen, und zwar im Jahre 2007 Ambivalenz, System und Erfolg. Provokationen postmoderner Sozialer Arbeit (http://www.carl-auer.de/programm/artikel/titel/ambivalenz-system-und-erfolg-ebook) und im Jahre 2011 Aufgestellte Unterschiede. Systemische Aufstellung und Tetralemma in der Sozialen Arbeit (http://www.carl-auer.de/programm/artikel/titel/aufgestellte-unterschiede). Das neue Buch Komplexität gestalten kann als eine Fortsetzung dieser Reihe bewertet werden. Zudem bringt es die systemische und postmoderne Theorie mit unserem Konzept von Case-Management zusammen, das Britta Haye, Andreas Hampe, Matthias Müller und ich als Systemisches Case-Management entwickelt und dazu bereits bei Carl-Auer ein Buch publiziert haben, das inzwischen in 4. Auflage vorliegt (siehe hier: http://www.carl-auer.de/programm/artikel/titel/systemisches-case-management).

Worum geht’s?

In dem neuen Buch geht es um Komplexität, also um Vielfalt, Unübersichtlichkeit, Diversität und Heterogenität, die unsere heutige Gesellschaft kennzeichnen. Diese komplexen sozialen Verhältnisse werden derzeit, etwa durch die Flucht- und Migrationsbewegungen hinsichtlich der Bevölkerungsstruktur weiter in Richtung Diversität verstärkt. Ein systemischer und vor allem postmoderner Blick auf diese Verhältnisse anerkennt Pluralität, sieht diese als Bereicherung und innovativen Entwicklungsmotor der Gesellschaft an. Diese Haltung wird in dem Buch herausgearbeitet, gesellschaftstheoretisch begründet und durch methodisches Handwerkszeug für die Praxis realisierbar gemacht.

Welche inhaltlichen Beispiele dazu vermittelt das Buch?

Ich veranschauliche im Buch an den Beispielen der unterschiedlichen gesellschaftlichen Funktionssysteme (etwa Wirtschaft, Politik, Recht, Wissenschaft, Massenmedien etc.), an Organisationen und an Familien, was es bedeutet, mit Komplexität zu leben und diese zu gestalten. Besonders prägnant ist die gesellschaftliche Vielfalt von parallel sich vollziehenden Kommunikationen der Funktionssysteme etwa an der vor einigen Jahren den öffentlichen Diskurs beherrschenden Plagiatsaffäre von Karl-Theodor zu Guttenberg sichtbar. Anhand dieses Beispiels veranschauliche ich, wie ein Ereignis (die plagiierte Doktorarbeit) zugleich ganz unterschiedlich von diversen gesellschaftlichen Systemen (etwa den Massenmedien, der Politik, der, Wissenschaft, dem Recht, der Pädagogik, der Wirtschaft etc.) aufgegriffen und zum Anlass eigener Kommunikationen gemacht wurde. Ein weiteres Beispiel erwähnte ich bereits: die aktuellen Flucht- und Migrationsbewegungen. Ich verdeutliche im Buch, wie die zunehmende gesellschaftliche Diversität gestaltbar ist, wenn wir die sozialen Teilhabe-, die Partizipationsprozesse an der Gesellschaft differenzierter betrachten als dies gemeinhin in der Öffentlichkeit geschieht. Dazu schlage ich vor, dass wir zwischen Integration in Familien, Freundeskreisen, Nachbarschaften, kurz: in Lebenswelten und Inklusion in Funktionssystemen, etwa Wirtschaft, Recht, Politik, Pädagogik/Bildung etc. unterscheiden. Für die Menschen, die derzeit zu uns kommen, muss vor allem Inklusion ermöglicht werden, die Teilnahme an den Funktionskreisläufen der „großen Gesellschaft“ – und dies geht nicht mit welcher „Leitkultur“ auch immer, sondern vor allem mit Marktwirtschaft, Durchsetzung von Rechtsansprüchen, Bildungsmöglichkeiten, politischer Teilhabe etc. Als konkretes Beispiel, wie wir uns dies vorstellen können, skizziere ich die gelebte Multikulturalität des Stadtstaates Singapur.

Was ist das Besondere an diesem Buch?

Das Besondere an dem Buch ist sicherlich der dreidimensionale Aufbau:  Es geht um Kopf, Herz und Hand, also gleichermaßen um Theorie, Haltung und Methodik. Wie können wir aktuelle soziale Herausforderungen verstehen, wie können wir uns emotional, also mit welchen inneren Einstellungen darauf einlassen und wie gelingt die handelnde Gestaltung dieser sozialen Prozesse? Alle drei Ebenen werden im Buch vertieft. Weiterhin balanciert das Buch permanent zwischen einer radikalen Steuerungsskepsis im Kontext von autopoietischen, also grundsätzlich unsicheren Systemen und der Notwendigkeit, diese nichttrivialen Verhältnisse dennoch gestalten zu müssen, sie wach zu begleiten mit passenden, vorsichtigen und sensiblen Anregungen.

Wer sollte das Buch lesen, für wen ist es geeignet?

Das Buch ist freilich für alle geeignet und spannend, die sich für die benannten Themen und Fragestellungen interessieren. Geschrieben habe ich es jedoch vor allem für Menschen, die sich mit der Sozialen Arbeit und verwandten psycho-sozialen Feldern der sozialen Beratung, Unterstützung, Therapie und Gesellschaftsgestaltung befassen, also etwa für Praktiker/innen, Studierende und für Wissenschaftler/innen. Aber sicherlich können auch Politiker/innen, die sich kommunal, in den Ländern, im Bund oder international engagieren aus dem Buch Anregungen ziehen. Denn wie in der Sozialen Arbeit geht es in der Politik darum: Komplexität zu gestalten.

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Autor: Heiko Kleve

Heiko Kleve

2 Kommentare zu „Komplexität gestalten! Fragen und Antworten zu meinem neuen Buch“

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