Blogbeiträge

KEA-Prozess des Systemischen Aufstellens

Systemische Aufstellungen an Hochschulen verwirklichen die Vision eines ganzheitlichen Lernens, das Kognition, Emotion und Aktion (KEA) gleichermaßen einbezieht. Auf der Ebene der Kognition, der Erzeugung von Information und Wissen bieten Aufstellungen die Möglichkeit, Systeme zu simulieren, um so systemisches Wissen zu generieren, das aus den Relationen zwischen Elementen von Systemen hervorgeht. Die Ebene der Emotion wird durch Aufstellungen einbezogen, weil sie körperliche Erfahrungen anregen, die Auskunft darüber geben können, in welcher Weise systemische Prozesse zwischen Elementen als passend oder als unpassend bewertet werden können. Dies kann auf der Ebene der Aktion Handlungsimpulse freisetzen, die Systemveränderungen, also Modifikationen zwischen den Relationen von Systemelementen herausfordern. Damit offenbaren sich schließlich systemische Aufstellungen als qualitative Forschungsinstrumente, die eine systembezogene Exploration von komplexen bio-psycho-sozialen Prozessen ermöglichen und die Isomorphie aller Systeme veranschaulichen, die das menschliche Leben in seiner bio-psycho-sozialen Einbettung prägen.

 

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Hayeks Kritik am Konstruktivismus – oder: Die Rettung des Konstruktivismus vor dem Konstruktivismus

Der Begriff „Konstruktivismus“ kann unterschiedlich verstanden werden. Daher wollen wir hier ein Konstruktivismus-Verständnis kritisieren und abwehren, das insbesondere in der sozialphilosophischen Perspektive des neueren Liberalismus, vor allem von Friedrich August von Hayek (1970) als äußerst problematisch bewertet wird. Demnach wird das Wort „Konstruktivismus“ „als spezifische Bezeichnung einer Einstellung [definiert], die bisher gelegentlich ungenau durch das vieldeutige und daher irreführende Wort Rationalismus bezeichnet worden ist“ (ebd.: 210). Der Grundgedanke der konstruktivistischen Auffassung, die Hayek kritisiert, lautet, „daß der Mensch die Einrichtungen der Gesellschaft und der Kultur selbst gemacht hat und [er] sie daher auch nach seinem Belieben ändern kann“ (ebd.). Diese Auffassung sei grundsätzlich abzulehnen. Weiterlesen „Hayeks Kritik am Konstruktivismus – oder: Die Rettung des Konstruktivismus vor dem Konstruktivismus“

System Compliance in Unternehmerfamilien

Konfliktprävention durch Beachtung elementarer Systemregeln

Unternehmerfamilien als „verdoppelte Familien“

Unternehmerfamilien sind besondere Systeme. Sie müssen zwei unterschiedliche Kulturen in sich vereinen. Zum einen sind sie, wie alle Familien, durch verwandtschaftliche, bestenfalls vertraute Beziehungen gekennzeichnet, die das private Leben ihrer Mitglieder rahmen und einbetten. Zum anderen jedoch sind sie mit geschäftlichen Anforderungen konfrontiert, denen sich klassische Familien nicht gegenüber sehen. Denn die Mitglieder von Unternehmerfamilien verfügen über unternehmerisches Eigentum, womit eine ganz besondere Verantwortung einhergeht. Daher können sich Unternehmerfamilien nicht nur eigendynamisch familiär entwickeln. Sie müssen sich zudem formal organisieren. Weiterlesen „System Compliance in Unternehmerfamilien“

Der nächste Fachbereich Sozial- und Bildungswissenschaften

Der nächste Fachbereich Sozial- und Bildungswissenschaften der Fachhochschule Potsdam

(Januar 2017)

Von verschiedenen Kolleginnen und Kollegen wurde ich gebeten, meinen in der Zeit als Dekan gewonnenen Blick auf die aktuellen Herausforderungen und Perspektiven des Fachbereichs Sozial- und Bildungswissenschaften zu formulieren. Dies tue ich sehr gerne.

These

Ich stelle meinen Überlegungen die These voran, dass sich der Fachbereich derzeit in einem gravierenden Transformationsprozess befindet, der wie ein Epochenwandel empfunden werden kann und möglicherweise auch entsprechende Wirkungen zeitigt. Daher spreche ich davon, dass wir derzeit einen Aufbruch zu einem nächsten Fachbereich 1 erleben können. Weiterlesen „Der nächste Fachbereich Sozial- und Bildungswissenschaften“

Das Erleben des Dekans

Dieser Beitrag ist zuerst erschienen in: Die neue Hochschule, Heft 2/2015, S. 58-61.

Das Erleben des Dekans

Dieser Beitrag ist ein Zwischenresümee meiner ersten 20 Monate in der Ausübung des Amtes als Dekan. Da sich Hochschulen hinsichtlich der Aufgaben, Herausforderungen, Chancen und Risiken hinsichtlich der Fachbereichs- oder Fakultätsleitungen wohl eher gleichen als unterscheiden, die Besonderheiten des Dekan/in-Amtes mit den Strukturen deutscher Hochschulen zusammenhängen, sind die Reflexionen für andere Dekaninnen und Dekane, grundsätzlich für alle Professorinnen und Professoren aufschlussreich. Weiterlesen „Das Erleben des Dekans“

Die fünf Seiten der Unternehmerfamilie. Skizze einer systemischen Theorie

Unternehmerfamilien sind Familien, deren Mitglieder Eigentümer/innen eines Unternehmens sind. Mehr als zwei Drittel aller Unternehmen können als Familienunternehmen charakterisiert werden (vgl. Stiftung für Familienunternehmen).

In der Beschäftigung mit Unternehmerfamilien und Familienunternehmen werden in der Regel die beiden Seiten dieser Sozialformen herausgestellt: die Verbindung von einerseits Familie und andererseits Unternehmen (siehe aktuell dazu von Schlippe/Rüsen/Groth 2017). Meine These lautet nun, dass die Komplexität, die Vielschichtigkeit von Unternehmerfamilien besonders dadurch deutlich wird, dass wir nicht nur zwei Seiten unterscheiden, sondern von fünf Perspektiven ausgehen, die bei der Forschung und Theoriebildung von Unternehmerfamilien systematisch berücksichtigt werden sollten (vgl. Kleve 2017): Weiterlesen „Die fünf Seiten der Unternehmerfamilie. Skizze einer systemischen Theorie“

Netzwerke als Systeme persönlicher Reziprozität

In Vorbereitung eines Vortrags befasse ich mich gerade mit der Frage, wie Vernetzung aus systemtheoretischer Sicht verstanden werden kann. Grundsätzlich geht es mir dabei um drei Fragen:

  1. ob Systeme und Netzwerke verschiedene Begriffe für identische soziale Phänomene sind oder
  2. ob wir davon ausgehen sollten, dass beide Konzepte unterschiedliche soziale Prozesse in den Blick bringen oder
  3. ob Netzwerke eine eigenständige Art von sozialen Systemen sind.

Ich präferiere die dritte Option: Netzwerke lassen sich als eine besondere Form sozialer Systeme begreifen. Weiterlesen „Netzwerke als Systeme persönlicher Reziprozität“