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Die fünf Seiten der Unternehmerfamilie. Skizze einer systemischen Theorie

Unternehmerfamilien sind Familien, deren Mitglieder Eigentümer/innen eines Unternehmens sind. Mehr als zwei Drittel aller Unternehmen können als Familienunternehmen charakterisiert werden (vgl. Stiftung für Familienunternehmen).

In der Beschäftigung mit Unternehmerfamilien und Familienunternehmen werden in der Regel die beiden Seiten dieser Sozialformen herausgestellt: die Verbindung von einerseits Familie und andererseits Unternehmen (siehe aktuell dazu von Schlippe/Rüsen/Groth 2017). Meine These lautet nun, dass die Komplexität, die Vielschichtigkeit von Unternehmerfamilien besonders dadurch deutlich wird, dass wir nicht nur zwei Seiten unterscheiden, sondern von fünf Perspektiven ausgehen, die bei der Forschung und Theoriebildung von Unternehmerfamilien systematisch berücksichtigt werden sollten (vgl. Kleve 2017): Weiterlesen „Die fünf Seiten der Unternehmerfamilie. Skizze einer systemischen Theorie“

Netzwerke als Systeme persönlicher Reziprozität

In Vorbereitung eines Vortrags befasse ich mich gerade mit der Frage, wie Vernetzung aus systemtheoretischer Sicht verstanden werden kann. Grundsätzlich geht es mir dabei um drei Fragen:

  1. ob Systeme und Netzwerke verschiedene Begriffe für identische soziale Phänomene sind oder
  2. ob wir davon ausgehen sollten, dass beide Konzepte unterschiedliche soziale Prozesse in den Blick bringen oder
  3. ob Netzwerke eine eigenständige Art von sozialen Systemen sind.

Ich präferiere die dritte Option: Netzwerke lassen sich als eine besondere Form sozialer Systeme begreifen. Weiterlesen „Netzwerke als Systeme persönlicher Reziprozität“

Vom Privileg, ein äußerst nachgefragtes Studium zu beginnen, erfolgreich zu absolvieren und feierlich zu beenden.

Vom Privileg, ein äußerst nachgefragtes Studium zu beginnen, erfolgreich zu absolvieren und feierlich zu beenden.

Liebe Absolventinnen und Absolventen des Fachbereichs Sozial- und Bildungswissenschaften,

ich beglückwünsche Sie herzlich zum erfolgreichen Abschluss Ihres Studiums. Nun haben Sie es geschafft und haben – wahrscheinlich schon seit geraumer Zeit – die Bachelor- bzw. die Masterurkunde in der Tasche, sind stolze Besitzerinnen und Besitzer eines ersten oder eines zweiten, vielleicht sogar schon eines dritten oder vierten akademischen Abschlusses. Weiterlesen „Vom Privileg, ein äußerst nachgefragtes Studium zu beginnen, erfolgreich zu absolvieren und feierlich zu beenden.“

Postmodernes Beobachten 2. Ordnung statt Kritik

Es liegt nahe, […] die mit ‚Kritik‘ bezeichnete Unterscheidung durch die Unterscheidung von Beobachtern zu ersetzen.“ (Niklas Luhmann)  

Das Attribut „postmodern“ wird hier als Bewertung für eine Gemüts- und Geistesform benutzt, die sich auf die komplexen Verhältnisse heutiger Gesellschaft einstellt, in der die klassischen Schablonen und Einordnungsstrategien von „richtig“ und „falsch“, „Problem“ und „Lösung“ oder „konservativ“ und „progressiv“ mehr und mehr scheitern. Vielmehr geraten die Verhältnisse ins Trudeln: was sich hier als „richtig“ darstellt, ist womöglich woanders „falsch“. Was heute als „Lösung“ daherkommt, offenbart sich morgen als „Problem“. Postmodernes Denken ist demnach ein Denken, das sich auf kontextuelle Unterschiedlichkeit einstellt, das die Relativität der Beobachtungsverhältnisse der Welt konstatiert und die eigenen Bewertungen darauf einstellt, also mit Vorläufigkeiten, Unsicherheiten rechnet und daher Kontingenzbewusstsein fordert: Es könnte eben auch ganz anders sein, was und wie gerade beobachtet, erklärt und bewertet wird. Weiterlesen „Postmodernes Beobachten 2. Ordnung statt Kritik“

Was ist Kritik? Oder über die Unterschiede zwischen Gesellschafts-, Theorie- und Normenkritik

Das Wort „Kritik“ ist vom Französischen critique abgeleitet, was wiederum eine griechische Wurzel hat (kritikē, krínein), die ins Deutsche mit Verben wie „trennen“ und „unterscheiden“ übersetzt werden kann.[1] Die unterschiedlichen Formen von Kritik, von denen hier vier skizziert werden, gehen genau von solchen Unterscheidungen bzw. Trennungen aus. Weiterlesen „Was ist Kritik? Oder über die Unterschiede zwischen Gesellschafts-, Theorie- und Normenkritik“

Die Ost/West-Differenz – theoretische, biographische und historische Reflexionen zu einer ambivalenten und prägenden Unterscheidung

Dieser Text wurde zuerst publiziert in: Alice. Magazin der Alice-Salomon-Fachhochschule Berlin, Heft 6/2003, S. 28-31. Er bezieht sich auch auf die Tatsache, dass diese Hochschule Mitte der 2000er Jahre vom Westberliner Stadtbezirk Schöneberg in den Ostberliner Plattenbaubezirk Hellersdorf gezogen ist. Weiterlesen „Die Ost/West-Differenz – theoretische, biographische und historische Reflexionen zu einer ambivalenten und prägenden Unterscheidung“

Unterkomplexität – oder: Die Verwechslung der „großen“ mit der „kleinen“ Gesellschaft

Die aktuelle Debatte um die so genannte Integration von Menschen, die auf der Flucht sind, in europäische Länder migrieren, birgt die Gefahr, dass wir die Gesellschaft und die in ihr sich vollziehenden sozialen Prozesse in ungemessener Weise vereinfachen. In der aktuellen Debatte erleben wir eine Unterkomplexität, die für die Kommunikation der Massenmedien sicherlich nicht untypisch ist, die aber in politischen Diskursen gefährlich werden kann. Zumindest die Sozialwissenschaft sollte dagegen halten, um mit ihren Erkenntnissen aus Theoriebildung und empirischer Forschung zur Komplexitätsanreicherung der öffentlichen und politischen Meinungen beizutragen. Im Folgenden soll ein solcher (bescheidener) Versuch unternommen werden. Weiterlesen „Unterkomplexität – oder: Die Verwechslung der „großen“ mit der „kleinen“ Gesellschaft“